heute widme ich den Post einer ganz besonderen Sache.
Ich möchte euch von einem Projekt erzählen, das ich vor einiger Zeit mit einer lieben Freundin zusammen ins Leben gerufen hatte.
Ja... es ist schon über zwei Jahre her, als ich gefragt wurde, dieses zu machen.
Nun... ich muss mal kurz zu den Anfängen zurückschrauben.
Also.....
Meine Freundin, die in einem Seniorenheim arbeitet, fragte mich, ob es möglich sei für ihre Senioren etwas zu nähen.
Ich war neugierig, was sie damit meinte und fragte sie um was es denn genau geht.
Sie arbeitet mit an Demenz erkrankten Senioren zusammen und hat schon öfters beobachtet, dass diese sehr oft Beruhigungsmittel verabreicht bekamen. Meine Freundin wollte es etwas einschränken, indem man für die Senioren, passend zu ihrer Person, eine Art Beschäftigungstherapie ins Leben ruft.
Ich bin immer noch ganz Ohr und fand die Idee richtig gut, nur fragte ich mich, wie ich dabei helfen könne.
Nun. Sie erklärte mir, dass es Nesteldecken gibt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich von so etwas noch nie gehört und fragte natürlich nach. Hier kam ihre Beschreibung:
Eine Nesteldecke ist für die Senioren, die an Demenz erkrankt sind. Daran können sie ihre Finger beschäftigen. Denn oft sind diese Leute sehr nervös und hibbelig. Durch die vielen verschiedenen Elementen wie z.B. Taschen zum etwas heruasholen oder darin verstecken, Reißverschlüsse zum auf und zu machen, verschiedene Materialien zum erfühlen, etwas zum auf- und wieder zuknöpfen, Schnüre zum etwas herumwickeln und und und etc..... kann man diese Personen sinnvoll eine Weile beschäftigen und sie brauchen dann weniger Medikamente. In manchen Fällen konnten sich dann die Senioren wieder an Dinge erinnern, die vorher weg waren. Solche Reize für das Gehirn seien gut und fördern auch die Konzentration und ein Stück weit auch die Erinnerung. So erleben die Senioren ein Stück weit ihre eigene kleine Zeitreise.
Aber folgende Kriterien kamen von meiner Freundin noch dazu:
- Die Decke darf nicht zu wild sein, denn zu viel drauf, verursacht nur, das es nervös macht und dann überfordert die Sinne, anstatt beruhigend zu wirken.
- Es darf auch nicht zu bunt sein. Mit der Decke möchte man ja erreichen, dass sich die Senioren wieder ein Stück weit erinnern können.
- Die Sachen müssen sehr fest und gut vernäht werden, denn die Menschen besitzen eine unheimliche Kraft und zoppeln daran sehr gut herum.
- Es muss auch waschbar sein, also kamen nur Elemente in Frage die auch Waschgänge überleben.
- Außerdem darf sie nicht zu groß sein, damit die Leute jeden Zipfel der Decke gut erreichen können.
In meinem Kopf ratterte es nur so.... manchmal dachte ich, man konnte es hören....das rattern, denn es war schon spannend diese Elemente auf eine Decke zu bekommen.
Nach kurzem nachdecken, sagte ich zu und lies mich auf dieses Projekt ein.
Ich formte für Ihre Abteilung zwei Decken und was soll ich sagen, diese sind heute noch dort im Einsatz und sind total froh darüber, den Senioren eine Alternative zu den Beruhigungsmitteln bieten zu können.
Ich habe beim Einzug in unserer Wohnung einen ganzen Schrank voll Stoffe gefunden. Diese Stoffe sind hauptsächlich aus den 60er und 70er Jahren, als es bei uns in der Gegend noch einige Webereien gab. Dieser Fund ist in einem makellosem Zustand. Aus den Stoffen (alle Baumwollstoffe) nähe ich die Nesteldecken heute noch für jede Person individuell. Manche haben sehr alte Musterungen und das macht jede Nesteldecke zu einer Zeitreise in die jeweilige Vergangenheit der Senioren.
Ich finde die Decken heute noch spannend herzustellen und packe in jede einzelne mein Wissen und die Kreativität hinein. Es bleiben alle für sich ein Unikat und wird auf Wunsch genäht. Außerdem beachte ich bei jedem Stück die Persönlichkeit der Senioren, für die es bestimmt ist. Z.B. Mann oder Frau, motorische Fähigkeiten wie steife Finger oder zitterig, oder Hobbies die ich mit einfliessen lassen kann.
Aber schaut mal selbst, hier zeige ich euch mal einige Bilder davon:
Diese Decke hier ist die große Variante mit 3x4 Quadrate und eignet sich sehr gut um entweder auf den Schoß oder auf das Bett gelegt zu werden. Man erreicht alle Quadrate und wenn man sie dreht, ist sie wieder von neuem interessant:
Ich habe an die Wünsche gedacht: Etwas herausholen und wieder zum verstecken und auch verscheidene Meschanismen zum öffnen und schliessen der Taschen. Hier z.B.: Klettverschluss:
Auch wie man hier gut sehen kann, ist es von mir selbst so durchdacht, dass sich nicht zwei gleiche Dinge nebeneinander befinden. Es gibt immer ein Thema pro Quadrat:
Ich habe auch den Wunsch nach einer kleineren Decke genäht. Diese ist gemacht, um an den Rollstuhl zu befestigen.
Dadurch, dass die Decke eine ganze Reihe weniger Quadrade hat, kommen die Senioren sehr gut an alle hin und man muss sie nicht drehen. Die Bänder an den Seiten helfen es am Rollstuhl zu befestigen, damit sie nicht vom Schoß rutscht.
Auch hier gibt es verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten:
Jede einzelne Decke wird genau abesprochen. Ich versuche möglichst, die Hobbies oder andere Themen in die Decken ein zu arbeiten, so wird jede einzelne besonders, einzigartig und persönlich.
Hier nähte ich z.B. eine Decke für einen Herren, der in den jungen Jahren sehr viel mit Autos zu tun hatte. Es befand sich nicht nur vieles zum fühlen, sondern auch echte Autoschlüssel, die ich mit hineingenäht hatte. So fand der Herr anstatt nette kleine Tierchen, hier Autoschlüssel in den Taschen.
Ansonsten gibt es in den Taschen, kleine Tiere oder Fühlsäckchen zum immer wieder herausholen und verstecken. Diese habe ich mit einem Band versehen und in der jeweiligen Tasche fest vernäht. Somit verliert man den Inhalt der Tasche nicht.
Wie man hier sehen kann, ist es bei dieser Decke das Thema fühlen:
Diese Person, die meine genähte Decke bekam, war leider schon etwas eingeschränkt in der Motorik.
Daher war es der Wunsch, eine Decke genäht zu bekommen, die keine Knöpfe und schwer zu öffnenden Elemente hatte (z.B. Reissverschlüsse). Dort kamen meine ersten Magnete in den Einsatz, eine Menge leicht zu bedienende Klettverschlüsse und viele verscheidene Strukturen der Stoffe zum erfühlen.
Dabei achtete ich auf die anderen Sinne, z.B: hören.
Deshalb verarbeitete ich bei dieser Decke vermehrt Rasseln, Quitschen und Knisterfolie.
Man konnte es nicht sehen, aber man hat es gehört :-).
So.... das war mal ein kleiner Einblick in meine Arbeit mit den Nesteldecken. Ich freue mich über jedes einzelne Stück, das ich für einen Menschen nähen darf und ihm vielleich somit helfe ein Stück seiner Erinnerung wieder zu erlangen.
In diesem Sinne....
Habt ein schönes Osterfest und genießt die Tage
Eure Sonja von Elebätsch



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